Frage: Herr Seiwert, wie waren 1990 die Anfänge in Schweinfurt für Sie, mussten Sie Pionierarbeit leisten und bei null anfangen oder war schon ein Fundament gelegt?
Martin Seiwert: Ich habe einen hervorragenden Chor hier in Schweinfurt vorgefunden und ich habe die Vielfalt genossen hier, als ich gekommen bin. Ich hatte einen Kinderchor, ich hatte eine Choralschola vorgefunden, dann natürlich den Heilig-Geist-Chor. Ich habe die Vielfalt wirklich genossen und hatte dementsprechend viel Arbeit mit Vorbereitung und gleich ging es los mit ganz vielen Auftritten.
Und Sie waren zunächst nur für Heilig Geist verantwortlich?
Seiwert: Als ich gekommen bin, war ich exklusiv nur für Heilig Geist zuständig und für die komplette Kirchenmusik hier in Heilig Geist. Ja, das hat sich dann aber im Laufe der Jahre erweitert. Schließlich kam Sankt Kilian dazu, dann kam die ganze Stadt dazu. Dann der Kirchenchor und Kinderchor von Bad Königshofen, mittlerweile auch schon 14 Jahre.
Wo kommen Sie her und was haben Sie vor Ihrer Schweinfurter Anstellung gemacht?
Seiwert: Ich komme aus dem Saarland. Ich habe in Saarbrücken und in Freiburg Kirchenmusik studiert. In Freiburg kam noch die Solistenausbildung für Orgel dazu. In Saarbrücken hatte ich auch meine erste Organistenstelle.
Wie sind Sie dann nach Schweinfurt gekommen?
Seiwert: Mein hochgeschätzter Vorgänger war Raimund Böhm, die Älteren kennen ihn vielleicht noch. Er hatte die Stelle 30 Jahre ausgefüllt und war dann im Dienst gestorben, ein sehr verdienstvoller Musiker. Gut, dann habe ich mich beworben und wurde genommen, das war 1990.
Wie blicken Sie auf die Zeit in Schweinfurt zurück, verbunden mit der Frage, bleiben sie hier oder haben sie vor wegzugehen?
Seiwert: Ich schaue mit großer Dankbarkeit auf die 36 Jahre zurück. Ich wurde wirklich ganz zuvorkommend aufgenommen, hier durch Pfarrer Heinz Röschert, durch den Chor, durch die Gemeinde. Da wurde ich mit offenen Armen aufgenommen und das hat mich natürlich beflügelt in meiner Arbeit, in meinem Engagement mit dem Chor und auch mit der Orgel. Die Menschen hier waren alle gleich mit Begeisterung dabei, mit dem Singen, mit dem, was wir so getan haben, Auftritte, Konzerte, das hat mich durchaus motiviert und in gewisser Weise auch geformt. Und um es kurz zu machen: Ich bleibe hier in Schweinfurt und hoffe selbstverständlich, dass ich noch viel Musik machen kann.
Sie wechseln also nur die Rolle?
Seiwert: Ich gebe die Stelle auf. Die Stelle ist ja immer verbunden mit vielen Aufgaben, mit Schülern, mit sieben Chören. Sie ist verbunden mit Fortbildungen, mit vielen Aufgaben. Das gebe ich auf, aber ich gebe nicht das Musikersein auf. Ich werde Orgel spielen, werde hoffentlich noch auch im Chor weitersingen. Ich bin selbstverständlich noch hier. Ich freue mich auf mehr Zeit für meine Familie und werde mich natürlich mehr um meine erwachsenen Kinder und um die Enkel kümmern.
Denken Sie an bestimmte Highlights in Ihrer Zeit zurück?
Seiwert: Die großen Feste Ostern und Weihnachten waren vollgefüllt mit Musik. Wenn ich an die Orchestermesse an Weihnachten denke, das war wirklich ein Highlight. Die Brucknermesse in B-Moll, das war ein Highlight. Da freue ich mich so, was wir in den letzten Jahren so aufgeführt haben, das waren noch mal so ein paar Exoten, die man sonst nicht so hört, da war eine Kodály -Messe dabei, die begleitet mich seit Studientagen, weil wir das in Saarbrücken auch aufgeführt haben. Und dann eine Bruckner-Messe, Anton Bruckner begeistert jeden Kirchenmusiker.
Warum das?
Seiwert (schmunzelt): Da ist der Weihrauch schon einkomponiert, Bruckner ist bombastisch, seine Messen, die haben wir schon viel aufgeführt.
In der in der Pastoral heißt es immer: Seelsorge heiligt den Seelsorger. Kann man das für den Kirchenmusiker auch sagen?
Seiwert: Das ist auf jeden Fall so, wenn ich hier meine Kirchenmusik spiele. Ich singe ja nicht nur das Credo, das macht ja auch was mit einem. Und wenn ich einen Messiaen spiele, dann spiele ich nicht nur schräge Töne, da steht auch über jedem Satz ein Bibelvers, vorne am Anfang und dann am Schluss auch noch oft etwas. Das nimmt man ja mit auf beim Spielen.
Messiaen ist harte Kost. Wie wurde Messiaen hier in Schweinfurt aufgenommen?
Seiwert: Es war schon erstaunlich, dass ich hier alles spielen konnte, nicht weil ich es kann, sondern weil es die Gemeinde angenommen hat und offen dafür war. Den Leuten hat das natürlich nicht immer gefallen, das gebe ich gerne zu. Aber wichtig ist doch, es war eine gewisse Offenheit da, sich auf Neues einzulassen. Und das muss man erstmal finden. Dafür bin ich sehr dankbar.
Wenn Sie auf die letzten 36 Jahre hier in Schweinfurt zurückblicken, sind Wünsche offen geblieben?
Seiwert: Wenn ich zurückdenke, nein, es war immer mein Traum, Orgel zu spielen, es war immer mein Traum, im Chor zu singen und selbstverständlich auch im Gottesdienst beides zu machen, weil man kann mit Musik den Leuten so schnell eine Freude bereiten. Und das habe ich schon relativ früh hier in Schweinfurt gemerkt und deshalb habe ich da alle meine Energie hineingelegt.
Haben Sie einen Wunsch für Ihren Ruhestand?
Seiwert: Musiker bin ich ja und bleibe es auch im Ruhestand, hoffentlich gesund. Ich will noch lange Musik machen als Organist, im Gottesdienst und im Konzert. Ich will noch lange singen können. Bei einem befreundeten Chor bei alten Freunden aus der Studienzeit singe ich in einem Chor mit, da sind schon ein paar Konzerte ausgemacht. Auch Orgelkonzerte sind geplant. Außerdem bin ich ja seit fünf Jahren hier in Schweinfurt in der Bläserphilharmonie, da spiele ich am E-Piano und das macht mir unheimlich viel Spaß und ist hervorragend. Auch da geht es weiter. Hoffentlich.
Das Interview führte Stefan Menz
