“ Was nützt mir euer Gottesdienst,
in dem ihr betet und singt?
Was hilft's, daß ihr euch hier versammelt,
wenn draußen jedes Recht vergammelt?
Und auch die wohlgemeinten Spenden
aus euren reichen Händen,
die Dank-und auch die Opfergaben,
die will ich von euch gar nicht haben.
Erspart mir euer Lied-Geplärr“,
so schimpft laut dem Propheten Amos Gott, der Herr,
„und auch das ganze Orgelspiel
ist mir zuwider und zuviel.“
Ja, hoppla, das ist Gottes Kunde
aus des Propheten Amos Munde?
Will Gott tatsächlich uns die Sachen,
die Ihm doch dienen, madig machen?
Grad war's noch friedlich, fromm und heiter.
Doch halt: Der Vers geht ja noch weiter.
Kann der Prophet mit sanften Tönen
uns doch noch mit dem Text versöhnen?
„Wie Wasser strömen soll das Recht,
sonst geht es der Gemeinschaft schlecht.
Gerechtigkeit ruft in euch wach.
Sie ströme wie ein stet'ger Bach.“
Ja, wie? Wir sind doch die Gerechten;
und draußen stehn die echten Schlechten.
Wir gehen zur Kirche, Gott zur Freude,
tun keiner Fliege was zuleide.
Wir singen,beten,preisen,loben.
Der Kerzenduft steigt schön nach oben.
Kein Unrecht find'st du bei uns allen,
das muss dem Herrgott doch gefallen!
„Genug,ruft Amos, geht mal raus.
Wie sieht die Welt denn heute aus?
Ihr habt das Ding bereits verpatzt;
mir ist der Kragen schon geplatzt!
Seht ihr das Recht wie Wasser strömen?
Ihr solltet euch-weiß Gott-was schämen!
Da ist ein Hauen und ein Stechen.
Wohin man schaut, gibt’s nur Verbrechen
und Vorteilsnahme, Korruption
wie vor 3000 Jahren.
Man schaut beängstigt und verwundert
ins einundzwanzigste Jahrhundert.“
Nein, Amos, das sind doch nicht wir.
Wir beten und wir sitzen hier.
Die Bösen, das sind stets die andern.
Da brauchst du gar nicht weit zu wandern.
Das wollt ihr mir doch nicht erzählen,
daß euch Gewissensbisse quälen,
wenn ihr mal glaubt, ihr seid im Recht,
und einen Streit vom Zaune brecht.“
Na ja, man streitet sich schon mal.
Das gibt’s ja schließlich überall,
und auch, daß eh' man sich versieht,
der andere Teil den Kürzeren zieht.
Man trennt sich machmal auch im Streit.
Oft tut es einem später leid.
Auch ist es uns schon mal passiert,
daß so ne Sache eskaliert.
Grad denkt man noch, 's gibt ein Problem,
was auch nicht gerade angenehm.
Man handelt etwas ungeschickt.
Schwupp! Das Problem wird zum Konflikt.
Durch Ignoranz- das ist das Doofe-
wird der Konflikt zur Katastrophe.
Dann schau'n wir uns belämmert an:
Wo ist der Mensch, der helfen kann?
„Ich kann euch helfen in der Not“,
sagt Amos, „bin zwar schon länger tot,
doch wie ihr wisst, ham wir Propheten
gewisse Seher-Qualitäten.
Das Unrecht macht sich bei euch breit,
genauso wie zu meiner Zeit.
Ihr habt es bisher nicht geschafft,
daß diese Lücke nicht mehr klafft.
Die Lücke zwischen Arm und Reich,
die gab's bei uns und gibt’s bei euch.
Die Lücke zwischen Schwach und Mächtig
gedeiht zu allen Zeiten prächtig.
Drum rat ich Männern und auch Frauen
auf Arme nicht herabzuschauen,
auf Schwachen nicht noch rumzutreten.
Sie sind doch ohnehin in Nöten.
So einer hat oft keine Lobby
und meistens nicht einmal ein Hobby.
Der macht sich keinen schönen Lenz;
der kämpft um seine Existenz!
Drum gilt es, Schwache aufzurichten,
statt ihnen Mitschuld anzudichten
am Schicksal, das sie schwer ertragen
in guten wie in schlechten Tagen.“
Lieber Prophet Amos, wir werden uns bemühen,
ab jetzt an einem Strang zu ziehen.
Doch woll'n wir, statt hier rumzueiern
auch weiter Gottesdienste feiern.
Und- Amos, deine Wut in allen Ehren-
grad das willst du uns heut verwehren.
Wie war das mit dem Lied-Geplärre
und mit der Opferspenden-Sperre?
Wir leben und wir lassen leben
und sind bereit, auch was abzugeben.
Wir stimmen in die Lieder ein.
Das kann doch so verkehrt nicht sein.
„Verkehrt“, spicht Amos, „ist das nicht,
doch steht's euch nicht gut zu Gesicht,
daß ihr Distanz zum Nächsten schafft.
Ihr schmort zu sehr in eig'nen Saft.
Ich möchte, daß ihr Demut lernt.
Zwar bin ich weit davon entferntm
in Bausch und Bogen zu verdammen,
doch passt hier manches nicht zusammen:
Ihr droht, beim Trinken und beim Essen
die „Ausgestoßnen“ zu vergessen.
Die satte Selbstgerechtigkeit
macht sich in eurer Kirche breit.
Und eines schlagt euch aus dem Kopf:
Das ist ein furchtbar alter Zopf,
zu glauben, daß es Gott was nütze,
wenn jeder von euch bei ihm sitze
in seinem schönen Gotteshaus.
Grad anders wird ein Schuh daraus:
Gott dient den Menschen hier auf Erden,
und daraus kann was Größ'res werden,
wenn dies wir Menschen auch erfassen
und lernen, sich drauf einzulassen,
sich nicht im Egoismus üben
und endlich mal den Nächsten lieben!
Ich hoff', es hat bei euch gefunkt:
Gott, der steht im Mittelpunkt!
Gott, der hat euch was zu sagen!
Er kann euch durch die Woche tragen.“
So weit der Aufruf des Propheten,
damit wir nicht ins Leere beten
und daß wir uns nicht selbst besingen,
das Miteinander muss gelingen.
Wer diesen Mittelpunk nicht ehrt,
macht irgendwas grundverkehrt.
Und wer die Hauptperson nicht feiert,
nur lieblos Verslein runterleiert.
Drum schreibt's euch alle hinter's Ohr:
wir feiern Fasching heute mit Humor.
Man feiert Gottesdienst mit Gott,
sonst erntet man beim Propheten Amos Spott.
Sollt's ausnahmsweise mal geschehen,
daß diese drei zusammen gehen,
-Fasching und Gottesdienst und Reim-
da bleibt man doch nicht gern daheim.
Da macht man sich zur Kirche auf,
wenn's sein muß auch im Dauerlauf.
Dort wird man die Gemeinschaft pflegen,
vom „Kyrie“ bis hin zum Segen.
Man bleibt vorm Auseinandergehen
noch bei einem Glas Sekt stehen.
Doch wird man dort vor allen Dingen
mal lauthals „Halleluja“singen.
Da Gottes Friede höher ist
als die Vernunft es je ermisst,
Bewahr' er euer Herz und Sinnen
in Jesus Christus, ganz tief drinnen.
Amen und Helau!

