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Predigten

Gesegnete Weihnachten

In seiner Predigt am Weihnachtsfest weist Pfr. Stephan Eschenbacher darauf hin, dass Weihnachten keine "Eintagsfliege" ist, sondern dass das Geschehen von Weihnachten stetig wachsen und beschützt werden will - und zwar durch uns.

"Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht.; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlt ein Licht auf" (Jes 9,1)

Liebe Schwestern und Brüder!

Das, was wir an Weihnachten feiern, geschieht in einer Nacht. Ein Kind wird geboren in der Dunkelheit eines Stalles. Die Nacht mit ihrer Dunkelheit erzeugt Unsicherheit, Orientierungslosigkeit, Zweifel und manche Ängste. Es sind genau die Befindlichkeiten, die Menschen auch heute umtreiben.

Denn unsere Welt erleben viele im Moment düster, weil chaotisch; es herrscht in vielen Teilen dieser Erde und in vielen Bereichen unseres Lebens ein großes Durcheinander – Tohuwabohu nennt die Bibel einen solchen Zustand. Nichts scheint mehr sicher, vieles kommt ins Wanken. Anscheinend sind wir heute „das Volk, das in der Finsternis geht“, wie es beim Propheten Jesja heißt. Das macht unsicher und lässt manche Zweifel und sogar Ängste aufkommen. Wir fragen uns: was gibt uns Halt, was gibt uns Sicherheit? Wie kann eine Lösung für all das Durcheinander aussehen? Manche fragen sich auch: Wo ist Gott in all dem? Wie kann er all das zulassen? Gibt es IHN am Ende vielleicht gar nicht, bleibt er deshalb stumm?

Weihnachten geschieht mitten in der Nacht. „Das Volk, das in der Finsternis geht, sieht ein helles Licht.“ Das Licht ist von Anfang an der Gegenpol zum Tohuwabohu – schon bei der Schöpfung. Das Licht dieser Nacht ist ein Kind: Gottes Kind. Das Kind der Weihnacht ist die Antwort Gottes auf unsere Fragen, SEINE Reaktion auf unsere Erwartungen an IHN, SEIN Beitrag zur Lösung unserer Probleme – deshalb wird es auch „Erlöser“ genannt.

Ein Kind? Was soll das denn? Ein Kind ist doch klein und ohnmächtig. Genau deshalb, denn das, was unsere Welt braucht, lässt sich sicher nicht durch ein Machtwort oder durch Machtdemonstration durchsetzen, sondern es muss wachsen und reifen, wie ein Kind.

Ein Kind ist friedlich, es verschenkt sich, reagiert vorurteilsfrei, ein Kind ist liebevoll und die Frucht der Liebe. Unsere Welt wird sicher nicht besser durch Egoismus, durch Hass, durch gegenseitige Anfeindungen und das Schüren von Vorurteilen oder dass die einen meinen, sie sind besser als andere. Was unsere Welt braucht ist Gerechtigkeit, Frieden, den Willen zur Versöhnung, gegenseitigen Respekt und letztlich Liebe. Und für all das steht dieses Kind Gottes, SEIN Geschenk an uns. Denn später, als Erwachsener, wird es genau dafür einstehen. Weil es vom Himmel kommt, wird es uns zeigen, wie wir den Himmel auf Erden verwirklichen können oder könnten, zum Beispiel mit: „Liebe Gott, liebe deinen Nächsten, liebe dich selbst“.

Ein Kind ist in dieser Nacht die Antwort Gottes auf das Chaos der Welt. Ein Licht in der Finsternis, die Lösung und damit Erlösung für uns.

Doch ein Kind ist auch klein und verletzlich. Es braucht Menschen, die es schützen und die helfen, dass es wachsen und sich entwickeln kann. Schon damals, zur Zeit Jesu, waren das nicht die Herrscher und Demagogen der Welt, ganz im Gegenteil: Herodes trachtet nach dem Leben des Kindes, er will es töten, weil er Angst hat. Der Wille zur Versöhnung, die Liebe macht Menschen mit Allmachtsphantasien Angst. Denn Macht lässt sich viel besser mit Spaltung kontrollieren.

Deshalb sind es schon damals die einfachen Leute, die das Kind beschützen und liebevoll in ihren Händen halten: Maria, Josef, die Hirten. Diejenigen also, die eine Sehnsucht nach einem Himmel auf Erden in sich tragen. Maria, Josef, die Hirten von heute – das sind wir. Denn bis heute braucht es Menschen, die dieses kleine, himmlische Geschöpf „Gerechtigkeit“, „Frieden“ und „Liebe“ beschützen, pflegen und es schließlich zum Wachsen und Reifen bringen. Es braucht Menschen, die der Gerechtigkeit, dem gegenseitigen Respekt gegenüber allen, der Achtung der Schöpfung und allen Geschöpfen in ihr, dem Frieden Hand und Fuß geben und der Liebe ein Gesicht.

Weihnachten findet nicht nur einmal im Jahr statt, wo wir angerührt sind, von der Sehnsucht nach Harmonie und Frieden. Weihnachten ist ein Prozess, ein Wachstumsprozess, den es zu begleiten und zu beschützen gilt und für den man manchmal auch kämpfen muss. „Heut schließt ER wieder auf die Tür zum schönen Paradeis“, so singen wir in einem alten Weihnachtslied. Das Kind der Weihnacht ist das äußere Zeichen dafür, dass Gott den Himmel geöffnet, das Paradies eingepflanzt hat in diese Welt und in uns Menschen. Weihnachten gibt uns den Auftrag, genau dieses Pflänzchen zu schützen, zu bewahren und immer mehr wachsen zu lassen.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtfest.

Pfr. Stephan Eschenbacher