Gut besucht und stimmungsvoll wurde das Osterfest in St. Anton in einerm an die Tradition des Luzernariums angelehnten Gottesdienst von Diakon Joachim Werb gefeiert.
BIlder und Ansprache vermitteln davon einen vorläufigen Eindruck.
O-stern – eine runde Sache
Meine Schwestern und Brüder,
eine imposante Szene bietet uns Matthäus in seiner Sicht der Auferstehung an. Er, und nur er, bebildert den Kernpunkt des Ostergeschehens mit Erdbeben, Engel, Frauen, und Wächtern, die wie tot daliegen. Ich erinnere mich an beeindruckende Zeichnungen in den Kinderbibeln meiner Jugendzeit oder auch große Carvaggio-Gemälde mit diesen Bestandteilen. Ein Detail geht dabei fast etwas unter, was aber für mich Ostern, Auferstehung und letztlich österliches Leben erst möglich macht. Die englischsprachige Bibelforschung übersetzt den zweiten Vers mit den Worten the angel of the Lord descended from heaven, and came and rolled back the stone from the door, Dieser roll back des Steines ist für mich der Schlüssel für die Verbindung von Auferstehung und meinem Leben.
Der Engel brachte den Stein ins Rollen, der Tod, Untergang und letztlich das Scheitern der Sache Jesu manifestiert und damit ins Grab eingesperrt hat. Heute feiern wir, dass wir wieder Zugang zum Leben durch diesen Rollback haben. Der Stein musste ins Rollen gebracht werden, damit die Frauen, wohlgemerkt Frauen, sehen konnten, was hinter dem Stein liegt. Sie wurden so zu den ersten und glaubwürdigen Zeugen des neuen Lebens. Nur wegen des Wegrollens, des rollback können sie ins Grab schauen und sich davon überzeugen, dass Jesu auferstanden ist. Nur so erfuhren sie, dass Jesus sehr lebendig ihnen wieder „voran“geht, in diesem Fall nach Galiläa, also zurück zu den Wurzeln und Anfängen der Jesusgeschichte. Der Stein der Geschichte, der damals in Galiläa ins Rollen gebracht wurde, erfährt heute seinen zweiten, für uns entscheidenden Anstoß. Ostern soll und Ostern kann Steine ins Rollen bringen, die uns den Zugang zu dem neuen, befreiten, von Auferstehung und Neuanfang durchdrungenen Leben versperren. Und davon gibt es im Moment wirklich genug. Der Blick auf ein Leben in Frieden wird uns nicht nur durch die Bomben, Drohnen und Raketen in der Ukraine, im Irak, in Israel, Libanon und Palästina verstellt, sondern auch durch den uns konkret betreffenden Zusammenbruch sicher geglaubter Bündnisse und Weltfriedensordnungen. Die Unberechenbarkeit und Unmenschlichkeit der Führungskräfte USA, China und Russland sind wie ein große Felsblöcke, die den Zugang zu zukunftsorientierten und sicherem Leben in Frieden verstellen. Die Vorstellung, dass friedliche Koexistenz der Völker möglich ist, scheint im Dunkel der Machtpolitik verschwunden zu sein. Wo ist der Friedensengel, der Licht in diesem Dunkel bringt? Der den Stein ins Rollen, oder zumindest Bewegung in die Sache des Friedens bringt? Diese Frage bleibt für uns genauso unbeantwortet, wie damals bei den Frauen auf dem Weg zum Grab. Wer wälzt uns den Stein vom Grabe fort? Matthäus erzählt von einem Erdbeben, das sicherlich nicht wörtlich, sondern in seiner Bildsprache als „himmlische Energie“ zu deuten ist. Ein Kick von oben ist notwendig, damit sich etwas bewegt, damit diese himmlische Energie die steingewordenen Machtblöcke in Bewegungen setzt. Unser Beitrag dazu ist zwar klein, aber nicht unbedeutend. Nehmen wir den „Kick von oben“ auf und treten wir als bekennende Christen mit der Kraft des Auferstandenen für die Idee eines friedlichen Zusammenlebens ein wo immer es geht: bei Ostermärschen, an Stammtischen, im Gespräch gerade mit anders Denkenden, oder zunächst einmal bei mir selbst. Frieden ist eine Haltung, die von innen kommen muss. Deshalb darf ich gerade heute die Engel des Himmels darum bitten, meine Steine der Seele, meine Zweifel an der Politik, meine Resignation wegzurollen, und den Blick auf die Friedenshoffnung, auf Zukunft und Licht wieder zu eröffnen.
Vielleicht ist es auch dazu nötig, einen weiteren Stein ins Rollen zu bringen. Es ist der Stein der Angst, dass alles Vertraute, alles sicher Geglaubte, alle festen Normen und Werte wie von einem riesigen moralischen Erdbeben zerstört werden. Die Unsicherheit, was noch zählt, worauf man sich verlassen kann und was die Gesellschaft zusammenhält, ist so groß wie nie. Gibt es für diesen Stein auch einen Rollback, einen Engel, oder zumindest einen Hinweis, wie es weitergehen könnte? Ich denke: ja! Die Auferstehungsgeschichte heute lässt uns dazu zweimal aufhorchen. Zum einen signalisiert der Engel, er geht euch voraus nach Galiläa. Zum andern gibt Jesus selbst den Frauen eine Botschaft für die Jünger und alle anderen Nachfolger. Geht zurück zu den Anfängen, nach Galiläa! Dort könnt ihr mich sehen! Es geht also weiter! Unbeirrt und mutig gilt es den Weg zurück zu den Anfängen und damit zur Grundbotschaft Jesu zu gehen. Das Wertefundament hat Jesus dort gelegt. Die Bausteine dafür sind trotz Jerusalemer Geschehen, trotz Sterben und Tod, unverändert vorhanden: Nächstenliebe, Demut, Orientierung allein an Gott und Vertrauen in Gottes unbedingter Liebe zu allen Menschen. Diese Steine brauchen keinen Rollback, sie sind das Fundament für unseren Osterglauben, für die Osterfreude und für die Hoffnung, dass es immer wieder Engel zum Wegrollen der Steine unserer Seele gibt. Darauf können wir bauen! Darauf können wir unsere ganze Zukunft setzen. Oder, um mit einem aussagestarken Bild des Evangeliums zu schließen: auf den weggerollten Stein setzte sich der Engel: versöhnt, ohne Groll und fast liebevoll mit viel Zuversicht.

