Selbst wenn diesmal nur 6 Urnen der Verstorbenen im äußerst geschmackvoll gestalteten Urnenarrangement der Trauerhilfe Müller ihren würdigen Platz fanden, so wirkten knapp 40 Besucher der Abschiedsfeier mit ihrer Präsenz diesem aktuellen Phänomen entgegen. 40 Menschen mit und ohne direkte Beziehung oder Bekanntschaft zu den Verstorbenen, aber auf jeden Fall mit Solidaritätsbewusstsein, setzten ein wichtiges Signal gegen das Vergessen. Die nun zum 6. Mal stattgefundene, ökumenischen Verabschiedungsfeier versteht sich als überkonfessionelles Angebot für alle, die den letzten Weg der Menschen in besonderer Einsamkeit am Lebensende mitbegleiten wollen, in Würde, in guter Erinnerung und ohne traditionelle kirchliche Verabschiedungsformen. Der Respekt vor den Biographien der anonym Verstorbenen gebietet eine offene und glaubensneutrale Gestaltung der Feier in Liedern und Texten. Diakon Jaochim Werb (kath.) und Pfarrer Christoph Rupprecht (evang.) bringen das auch in ihren Impulsen zum Ausdruck. Diese sollen bewegen, mitnehmen und Erinnerungsräume eröffnen. Eine Hoffnung aus dem Glauben ist dabei ein mögliches, aber kein zwingendes Angebot der beiden Seelsorger. Es wird vom fallenden Herbstlaub, von der Veränderung des Lebensraumes, der Tür als Zugang zur Erinnerung hinter dem unbekannten Leben gesprochen. Emotional tragend dabei das musikalische Fundament der Feier mit Liedern eher aus dem profanen Bereich, denn aus dem Repertoire klassischer Beerdigungslieder. Tränen im Himmel („tears in heaven“), der Klang der Stille („sound of silence“) und das Träumen einer wundervollen Welt („wonderful world“) schaffen die unabdingbare Basis für das würde– und respektvolle Abschiednehmen. Auf höchstem Niveau bieten das Anke Glucharen (voc.), Johannes Hofmann (guit.) und Joachim Werb (piano) mit ihren sensiblen und ausdrucksstarken Beiträgen. Gegen das Vergessen wirken auch seit mehreren Jahren die handgemachten Erinnerungsstücke und Namenssymbole der Religionsklassen der Wilhelm-Sattler-Realschule, angeleitet von Alexandra Ansorge-Pistner. So können auch jungen Menschen berührt werden und in die solidarische Erinnerungskultur mit eingebunden werden.
Das Verlesen der Namen wird wieder zum dichtesten Moment in dieser Zeit der Verabschiedung. Der anschließende Gang zur Grabstätte wurde trotz des Regenwetters zum besonderen Erlebnis, denn am Grab warteten bereist die von den Schülern vorbereiteten „Namensherbstblätter“ auf die entsprechenden Urnen. Gut und wichtig ist dieser feste und gut gestaltete Ort, den die Stadtverwaltung zusammen mit dem Friedhofsamt großzügig zur Verfügung stellt und pflegt. Er bietet allen Trauerenden einen sicheren Bezugspunkt der Erinnerung mit örtlicher Realität. Auch das hilft, die Anonymität des Todes zu überwinden. Schade, dass in Deutschland solche Möglichkeiten die absolute Ausnahme sind.
Joachim Werb
Ein Bericht von Hannah Krewer (Kath. Nachrichten Agentur, KNA) ist hier nachzulesen
Alle Bilder von Katharina Gebauer, KNA






































































